Historischer Ortsspaziergang Hagenburg
© Arbeitsgruppe Spurensuche in der Schaumburger Landschaft Kleine Ortsgeschichte
Nachdem die Siedler ausgehend von Osten her unter der Herrschaft der Grafen von Wunstorf-Roden um 1220 Altenhagen gegründet hatten, drangen sie um 1253 weiter nach Westen vor und legten das heutige Dorf Hagenburg an. Dieses soll nach Wiegmann (1912, S. 61) und Blohm (1943, S. 39) zunächst Nienhagen geheißen haben. Nach eingehenden Archivstudien durch Frau Bührmann konnte dies bisher aber nicht bestätigt werden. Bald danach dürfte die Burg gebaut worden sein, wegen der typischen Hagenhufendörfer, die sie mit schützen sollte entstand der uns heute bekannte Name: Hagenburg. 1378 wird die Burg erstmals in einer Urkunde erwähnt.
Hagenburg weist insgesamt bis zu fünf unterschiedliche Siedlungsansätze auf:
Nach oder mit dem Bau der Burg entwickelte sich in ihrem Umfeld eine Siedlung mit Kleinstellen und Häusern von Handwerkern und Händlern.
Es muss dagegen fraglich bleiben, ob Hagenburg als Hagenhufendorf zwischen Schierstraße und Riehe gegründet worden ist. Vielleicht siedelten sich aber auch Kleinbauern aus der Burgsiedlung her an und schufen damit die noch heute stattlichen Höfe.
Erst im 18. Jahrhundert erfuhr die ursprüngliche Siedlung eine Erweiterung, als Hans Cord Suhr 1736 die Bitte äußerte, den Bohnenkamp aufsiedeln zu dürfen. Es entstand ein Straßendorf, welches zunächst bis zum Försterteich reichte und später nach Süden und Westen erweitert wurde. Zwischen Ratskeller und Försterteich ist die ursprüngliche Anlage der Ansiedlung noch sehr gut zu erkennen.
1768 schuf Graf Wilhelm im Hagenburger Holz eine Brinkbesitzerkolonie (s. Punkt 18).
Die fünfte Ansiedlung, das Wilhelmsteinerfeld, hatte nur äußerst kurz Bestand und ist heute wieder unter Bruchwald verschwunden.
Ab 1555 wird Hagenburg als Flecken bezeichnet. 1970 wurde Hagenburg im Zuge der Gebietsreform mit Altenhagen zum Ort Flecken Hagenburg vereinigt.
Erläuterungen zu den Einzelobjekten
1 Obwohl nicht zu Hagenburg gehörig, ist die Geschichte der künstlichen Insel Wilhelmstein doch mit diesem Ort verbunden. Zusammen mit dem Wilhelmsteinerfeld (vgl. Poster Hagenburg Schlossbereich) stellte sie eine gemeinsame Verteidigungsanlage dar.
Die Insel wurde zwischen 1761 und 1765 mühsam aufgeschüttet und diente als Militärschule und später als Gefängnis. Berühmtester Schüler war der spätere preußische General Scharnhorst, und auch das erste deutsche U-Boot, der „Steinhuder Hecht“, wurde von der Insel aus erprobt.
Politisch bedeutsam wurde die Insel, weil von hier aus der Widerstand gegen die Hessen geführt wurde, die 1787 die Grafschaft Schaumburg-Lippe widerrechtlich besetzt hatten. Heute kann der Wilhemstein von Steinhude aus mit Booten besucht und besichtigt werden.
2 Der Torfstichkanal neben dem Pastorendamm diente der Entwässerung des Moores. Er führt direkt nach Norden in das Steinhuder Meer.
3 Am Ende des Kanaldamms zeichnen sich im Gelände ehemalige Torfstiche ab. Es handelt sich um quadratische bis rechteckige Gruben, in denen die Hagenburger und die Altenhäger Bauernschaft noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Torf für den Hausgebrauch gestochen haben.
Die ehemaligen Moorflächen sind heute entwässert und mit einem Bruchwald bewachsen. Große Teile stehen unter Naturschutz und die Wege sind oft sehr matschig, so dass ein Betreten dieses Bereichs nicht empfehlenswert ist.